VOLKSROLLER?

VOLKSROLLER?

Der seit dem Herbst erhältliche Niu N1S sollte die Wahrnehmung von kleinen fernöstlichen Elektrorollern äußerst positiv beeinflussen

 

Er könnte sogar so etwas wie einen lang erwarteten Anschub der zweirädrigen E-Mobilität bewirken. Denn abgesehen vom Hinterradnabenmotor, der von Bosch extra für Asien entwickelt wurde und der mittlerweile in siebenstelliger Stückzahl produziert wird, hat der Niu mit elektrischen Chinakrachern, wie wir sie samt ihrem zwiespältigen Eigenschaften bisher so kennenlernen durften, kaum noch etwas zu tun.

Tiefchinesisch ist allenfalls der auffallend günstige Preis von 2699 Euro. In Anbetracht der Premium-Ausstattung glaubt man das fast gar nicht, so lang ist die Liste der funktionellen und großteils höchst sinnvollen Features: Der zehn Kilo wiegende Akku kann entnommen und in der Wohnung, im Büro oder im Hotelzimmer innert sechs Stunden geladen werden; wie sonst nur beim E-Scooter-Flaggschiff BMW C evolution gibt es endlich unter der Sitzbank beträchtliches Stauraumvolumen (19 Liter); ebenso wie beim BMW wird die Rekuperation nicht nur durch Gaswegnehmen, sondern auch durch Betätigung der Bremshebel eingeleitet; Alarmanlage ist serienmäßig eingebaut; es gibt sogar ein eingebautes GPS-/GSM-Modul, das über eine App (für Android und iOS) Ortungsfunktionen oder Infos über den Batterieladezustand ermöglicht; die Fernentriegelung der Sitzbank über den Niu-Schlüsselanhänger (der klangmäßig einen Synthesizer ersetzen kann) ist ein angenehmes Luxusdetail.

Sympathie verschafft dem Niu außerdem der Umstand, dass er keine dem Fernost-Regal entnommene Public-Mould-Karosserie hat, sondern samt Fahrwerk speziell als elektrischer 45-km/h-Roller konstruiert wurde. Technische Halbherzigkeiten wie etwa eine seltsame Platzierung der Akkus oder der Einbau des E-Motors in eine Benzin-Infrastruktur tauchen dadurch erst gar nicht auf.

Die Befüllung des praktisch ziegelförmigen Panasonic-Lithium-Akkus mit „nur“ knapp 1700 Wattstunden lockt uns vorerst einmal nicht sehr weit hinter dem Ofen hervor. Mit solchem Energieinhalt konnte man bis jetzt schon nach 40 Kilometern liegenbleiben. Niu reklamiert einen eigens konstruierten Controller und ein sehr ausgeklügelt programmiertes Batteriemanagement, je nach Dokumentation findet man in den Firmenunterlagen entweder 70 oder 80 Kilometer Maximalreichweite. Das sorgt für skeptische Erwartung.

 

Überraschung, Überraschung: Donauaufwärts von Krems bis weit in den Nibelungengau hinein schaffen wir bei „Dauervollgas“ knapp über 60 Kilometer, Außentemperatur etwas über 20 Grad, Fahrergewicht 75 Kilo. Tags darauf bauen wir eine Auffahrt auf die berühmt-berüchtigte Seiberer-Bergstrecke bei Weißenkirchen ein und kommen noch immer auf plus 50 Kilometer Aktionsradius. Auffällig ist auch die Tatsache, dass ein mitfahrender Viertakt-Mopedroller an den besonders steilen Teilstrecken vom E-Niu schlicht und deutlich abgehängt wurde. Trotz des nominell nicht allzu üppigen Akkus ist die Praxisreichweite also respektabel – der N1S empfiehlt sich somit nicht nur als Cityflitzer, sondern auch für überschaubare Pendlerstrecken.

Für den Überblick über den Akku-Ladezustand gibt es im Cockpit sowohl einen Batteriebalken als auch eine genaue und verlässliche Prozentanzeige. Auch eine Ladedauer wird angegeben, bei 20 Prozent Restladestand beträgt sie zum Beispiel fünfeinhalb Stunden. Das mittelgroße Ladegerät arbeitet lüfterlos und ist somit geräuschlos. Es kann im Sitzbankstauraum mitgeführt werden und nimmt dort natürlich einen Teil des verfügbaren Platzes in Anspruch.

Der Betriebsmodus – das entspricht der Motorcharakteristik – kann an der rechten Lenkerarmatur dreistufig gewählt werden: Der mittlere davon ist sehr universell einsetzbar, die beiden anderen sind entweder beschleunigungs- oder reichweitenoptimiert. Neben der nahezu völligen Lautlosigkeit des Bosch-Radnabenmotors fällt die gelungene Regelelektronik des Niu auf – ruckartiges Anfahren oder Knarzgeräusche (womit man bei frühen E-Rollern leben musste) gibt es hier nicht, alle Manöver funktionieren geschmeidig. Durch den frühen Test eines der ersten in Österreich eingetroffenen Exemplars können wir die Niu-Handy-App noch nicht ausprobieren, das wird 2017 nachgeholt.

Mit 95 Kilo samt Akku ist er leichter als fast alle 50-Kubik-Benzinroller. Entsprechend mühelos ist der alltägliche Umgang. Haupt- als auch Seitenständer gehören zur vollwertigen Ausstattung, außerdem ein kleines offenes Handschuhfach vorne, USB-Stromanschluss und ein klappbarer Gepäckhaken. Als leichtes E-Mobil ist der Niu klarerweise eher zierlich und mit möglichst wenig frontaler Querschnittsfläche designt: Will man bei einmeterachtzig Körpergröße für seine Knie Regenschutz, dann muss man auf der (sehr komfortablen) Sitzbank etwas nach hinten rutschen und die Beine hinter der Frontschürze zusammenfalten.

Und weil die Batterie unter dem ebenen Durchstieg platziert ist (und nicht wie bei den meisten E-Scootern unter der Sitzbank), nimmt man im Gegenzug einen etwas engeren Kniewinkel in Kauf. Die schmale Lenkerbreite und die Sicht in den stabilen Rückspiegeln passen für den Cityeinsatz tadellos. Die Stabilität des Stahlrahmens, der Vorderradaufhängung und der Alu-Zweiarmschwinge zeigen bei den erreichbaren Geschwindigkeiten keine Schwächen; die Handkraft-Übersetzung der beiden wirkungsvollen Scheibenbremsen ist sogar fast ein bisschen forsch ausgefallen.

Die Erfinder des Niu scheinen einiges vorzuhaben: Das noch junge Unternehmen hat in Changzhou eine Fabrik für eine jährliche Produktion von 1,5 Millionen Fahrzeugen eröffnet – der N1S sollte uns noch etliche Male über den Weg rollen. Jedenfalls hat es bis jetzt um kleines Geld keinen besser ausgestatteten Elektroroller gegeben; die Reichweite ist für einen tragbaren Akku sehr in Ordnung und kann von der laufenden Lithiumzellen-Entwicklung nur profitieren; www.niu.com

 

Quelle: www.motomobil.at

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Die WERBEagentin- Sabrina Capelli e.U.

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